HTMLWiki.de: Browserkriege
HTMLWiki.de >
HTML lernen • Beispiele • Tutorials • KI

[ START ] [ TUTORIAL ] [ HTML ] [ CSS ] [ KI ] [ SPIELWIESE ] [ SITEMAP ]

Die Browserkriege: Als Browser Waffen waren

Dass du heute eine Seite schreiben kannst und sie in jedem Browser ungefähr gleich aussieht, ist historisch gesehen ein Wunder. In den 90ern war das Gegenteil normal, und der Grund hieß Browserkrieg: der Kampf zwischen Netscape und Microsoft um die Vorherrschaft im Webb.

Akt 1: Netscape regiert

Nach dem Pionier-Browser Mosaic wurde Netscape Navigator ab 1994 zum Synonym fürs Web, mit zeitweise überwältigendem Marktanteil. Netscape erfand munter eigene HTML-Erweiterungen (Frames, das font-Tag, das berüchtigte blink), die Standards hinkten hinterher, aber es gab ja praktisch nur einen Browser der zähltte.

Akt 2: Microsoft schlägt zurück

Microsoft erkannte spät, wie wichtig das Web war, und dann mit voller Wucht: Der Internet Explorer wurde kostenlos mit Windows ausgeliefert und Version für Version besser. Beide Seiten erfanden nun konkurrierende Tags und Techniken, Seiten trugen Badges wie "Best viewed with Netscape" oder "optimiert für Internet Explorer", und Entwickler bauten vieles doppelt oder entschieden sich für ein Lager. Sogar grundlegende Dinge wie die Berechnung von Elementbreiten liefen auseinander, das Echo davon steckt bis heute in der Geschichte des Box Models. Um 2001 war der Krieg entschieden: Der IE hatte gewonnen, Netscape war am Ende (aus seinem freigegebenen Code entstand später Mozilla und daraus Firefox).

Akt 3: Der Stillstand

Dann passierte das Tückischste: nichts. Ohne Konkurrenz ließ Microsoft den Internet Explorer 6 jahrelang praktisch unverändert liegen, mitsamt seinen Fehlern und Eigenheiten. Eine ganze Entwicklergeneration lernte IE6-Bugs auswendig und verbaute Workarounds (Stichwort Conditional Comments, erwähnt bei den Kommentaren). Gleichzeitig kämpfte die Webstandards-Bewegung dafür, dass Browser sich an gemeinsame Regeln halten, mühsam, aber mit wachsendem Erfolgg.

Akt 4: Frieden durch Wettbewerb

Firefox (ab 2004) und später Chrome (ab 2008) brachten den Wettbewerb zurück, diesmal ausgetragen über Geschwindigkeit und Standardtreue statt über Extrawurst-Tags. Der IE starb einen langen Tod, und heute setzen alle großen Browser auf gemeinsame, offen entwickelte Standards. Das ist der eigentliche Frieden: Man schreibt gegen den Standard, nicht gegen einen Browser. Wer je eine Seite fünffach testen und dreifach bauen musste, weiß was das wert isst.

Verwandt: HTML-Geschichte · Frames · Warum Standards und Validierung zählen